Donnerstag, 4. Juni, 18 Uhr
Exkursion: Lebendige Brachflächen im Leipziger Westen entdecken
Teilnahmebeitrag: 4 €, BUND-Mitglieder 2 €, mit Leipzig-Pass kostenfrei.
Treffpunkt: Brücke Industriestraße/ Nonnenstr.

Sonntag, 7. Juni, 14 Uhr
Sonntagsführung: Einheimische Orchideen
Die letzten ihrer Art – Einheimische Orchideen, Verbreitung und Gefährdung sowie gärtnerische Vermehrung und Kultur im Garten. Th. Grun.
Treffpunkt: Botanischer Garten, Linnéstraße 1.

Dienstag, 9. Juni, 18.30 Uhr
Ornithologische Abendexkursion: Stöhna
Treffpunkt: Selneckerstr. (Connewitz), mit PKW, Leitung: Falk Rößger.

Samstag, 13. Juni, ganztägig
Projekt „Lebendige Luppe“ organisiert Veranstaltungen zum GEO-Tag der Artenvielfalt
Eine Anmeldung unter info@lebendige-luppe.de oder 0341-86967550 ist dringend erforderlich!
Treffpunkt: Auwaldstation.

Mittwoch, 24. Juni, 17 Uhr
Seit 1000 Jahren in Leipzig zu Hause: Die Eiche und andere Baumportraits
Eine Vorstellung unserer ältesten Mitbewohner.
Exkursion ins Rosental mit Doris Müller.
Treffpunkt: Vor dem Naturkundemuseum.

Freitag, 10. April​, 10 bis 13 Uhr
​Essbare Wildkräuter ​im Frühjahr
Kräuter-Entdeckertour und anschließend ein kleines Wildkräuter-Picknick. (3,– €)
Auwaldstation.

Mittwoch, 15. April​, 17 Uhr
​​Der Promenadenring aus botanischer Sicht
Botanischer Frühlingsspaziergang
Naturkundemuseum Leipzig.
Treffpunkt: Mülleranlage gegenüber Hauptbahnhof.

Donnerstag, 16. April, 10.00 Uhr
​​2. Leipziger Auwaldforum – Auwald braucht Wasser
Heute mehrere Veranstaltungen im Rahmes des „21. Tag des Leipziger Auwaldes“.
Naturkundemuseum Leipzig.

Samstag, 18. April, 10.00 Uhr
​​Geologen-Sammlertreff & Vortrag: Costa Rica Tour
Naturkundemuseum Leipzig.

Sonntag, 19. April, 14.00 Uhr
​​Botanische Exkursion – Frühblüher im Auwald
Mit Uwe Scharf. (2,– €, mit Voranmeldung)
Auwaldstation.

Sonntag, 19. April, 14.00 Uhr
Tropische Falter – Schönheiten aus Mittelamerika und Asien.
Darstellung des Lebenszyklus und Besonderheiten der tropischen Schmetterlinge, mit D. Uhlig. (Zzgl. Eintritt Gewächshäuser)
Botanischer Garten der Universität Leipzig.

Dienstag, 21. April, 17.00 Uhr
​​Vernissage zum Thema Artenvielfalt
Zur Vernissage führen Ronals Schiller und Kerl Heyde durch die neue Sonderausstellung.
Naturkundemuseum Leipzig.

Dienstag, 21. April, 17.30 Uhr
​​Ornithologische Abendexkursion in die Burgaue
Treff: Linie 7, Straßenbahnhaltestelle Südstr. (Böhlitz-Ehrenberg) .
Eine Veranstaltung des Ornithologischen Vereins zu Leipzig e. V.

Samstag, 25. April, 17.00 Uhr
​​Emil Block: „Leipziger Auwald“ – Kunst oder Realität – Künstlerische Freiheiten bei der Darstellung der historischen Leipziger Auenlandschaft
Eine unter mehreren Veranstaltungen im Rahmen der Museumsnacht Halle/Leipzig.
Naturkundemuseum Leipzig.

Samstag, 2. August, 8.30 Uhr
Botanische Exkursion ins Wethauer Holz zur Violetten Sitter
Naturkundemuseum Leipzig.
Eine Veranstaltung der Fachgruppe Botanik
Treff: Hauptbahnhof Westhalle

Sonntag, 3. August, 14 Uhr
Das Forschungsarboretum Großpösna – Pflanzung und Ergebnisse erster Datenerhebungen
Botanischer Garten für Arznei- und Gewürzpflanzen Großpösna-Oberholz.

Sonntag, 10. August, 14 Uhr
Urwald-Mittelwald-Hochwald? – Exkursion zur Entwicklung des Leipziger Auwaldes, unter Berücksichtigung der bisherigen Forschungsergebnisse; mit Karl Heyde
Auwaldstation Leipzig.

Freitag, 15. August, 19 Uhr
Vortrag: Madagaskar – Tier und Pflanzenwelt
Naturkundemuseum Leipzig.
Eine Veranstaltung der Deutsche Kakteen-Gesellschaft e. V., Ortsgruppe „Astrophytum“

Sonntag, 16. August, 14 Uhr
Libellen der Leipziger Aue – Wissenschwertes über die faszinierende Welt der Luftakrobaten aus nächster Nähe. Exkursion mit der Biologin Franziska Stock
Auwaldstation Leipzig.

Mittwoch, 20. August, 17 Uhr
Botanische Exkursion: Auf Nachtkerzensuche im südlichen Gleisbogen
Naturkundemuseum Leipzig.
Eine Veranstaltung der Fachgruppe Botanik
Treff: Linie 16, Haltestelle: An den Tierkliniken

Sonntag, 24. August, 19 Uhr
Fledermausnacht im Schlosspark – Exkursion zur Internationalen Batnight; Wissenswertes zu heim. Arten und deren Lebensweise.
Auwaldstation Leipzig.

Samstag, 30. August, 8 Uhr
Ornithologische Ganztagsexkursion: Nördliche Elbaue
Naturkundemuseum Leipzig.
Eine Veranstaltung des Ornithologischen Vereins zu Leipzig e. V.
Treff: Parkplatz Baumarkt Hb., Delitzscher Straße

Samstag, 30. August, 10 Uhr
Geologischer Sammlertreff, u.a. mit Mineral- und Fossilienangebot
Naturkundemuseum Leipzig.
Eine Veranstaltung der Fachgruppe Geologie und Paläontologie

Samstag, 5. Juli, 6.45 Uhr
Ornithologische Ganztagsexkursion: Speicherbecken Windischleuba und Eschefelder Teiche
Naturkundemuseum Leipzig

Sonntag, 6. Juli, 14.00 Uhr
Pflanzenvielfalt am Bienitz – Botanische Exkursion anlässlich des Internationalen Tages der Biologischen Vielfalt
Auwaldstation Leipzig

Sonntag, 6. Juli, 14.00 Uhr
Pflanzenschätze und ihre Entdecker
Botanischer Garten Leipzig

Montag, 7. Juli, 10.00–21.00 Uhr
Mauerseglertag
NABU-Regionalverband Leipzig e. V.

Sonntag, 20. Juli, 10.00 Uhr
Bunte Pracht der Schmetterlinge – Fachkundige Führung mit Alfred Jeworutzki in der Saubachaue
NABU-Regionalgruppe Südraum Leipzig

Dienstag, 22. Juli, 18.00 Uhr
Ornithologische Abendexkursion: Markkleeberger See
Naturkundemuseum Leipzig

Mittwoch, 23. Juli
Auf Paddeltour mit dem Naturkundemuseum
Naturkundemuseum Leipzig und Kanal 28

Anlässlich des GEO-Tags der Artenvielfalt beteiligte sich das PGI am 14.06.2014 an einer Fledermaus-Exkursion in den Schlosspark Lützschena. Treff- und Ausgangspunkt der Exkursion war die Auwaldstation Leipzig. Es organisierten und leiteten Marco Roßner (hochfrequent – Fachbüro für Fledermauskunde, Naturschutzplanung und ökologische Projektbegleitung sowie GeoWerkstatt Leipzig e.V.) und Sarah Bähr (NABU Sachsen).

Auwaldstation

Einleitendes

Gegen 20 Uhr versammeln sich die ca. 20 großen und kleinen interessierten Teilnehmer um die Organisatoren. Nach einer kurzen Vorstellrunde räumt Marco Roßner ordentlich mit diversen Fledermaus-Mythen auf. Fledermäuse krallen sich weder in Kopfhaar, noch saugen sie Blut, bringen weder Unglück noch haben sie etwas mit dem Teufel zu schaffen. Bis in die jüngste Vergangenheit sei es in vielen Regionen Europas üblich gewesen, eine tote Fledermaus dreimal um das eigene Anwesen herumzutragen und sie anschließend an Haus- oder Stalltür zu nageln. Das sollte schlimme Krankheiten und anderes Ungemacht fernhalten.
Danach werden anhand großformatiger Fotos die 23 in Deutschland beheimateten Fledermausarten vorgestellt. Marco Roßner ordnet die Fotos auf dem Boden systematisch nach den sieben Überfamilien. Auf dem letzten Foto ist eine Fledermausart mit eigentümlich geformter Nase abgebildet. Marco fragt in die Runde ob wir den Namen erraten können und tatsächlich ruft jemand verschmitzt „Waldschlösschenbrücke“! Eine Anspielung an einen beinahe verhinderten Brückenneubau in Dresden 2007. Es handelt sich hierbei um die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros).
Nun werden Fragen gestellt und man erfährt u.a., dass Flughunde (Megachiroptera) und Fledermäuse (Microchiroptera) gemeinsam die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera) bilden. Fledermäuse haben sich auf die Nacht- und Flughunde auf die Tagaktivität spezialisiert. Flughunde können besser sehen, haben aber dafür nur rudimentäre Befähigung zur Ultrschallortung. Fledermäuse bewohnen Höhlen, Baumhöhlen, Hohlräume innerhalb und an Gebäuden und künstliche Quartiere (Kästen). Selbst nur daumenbreite Nischen werden als Quartiere in Erwägung gezogen. Fledermäuse sind ausgesprochen soziale Säugetiere und wohnen gerne in Kolonien. Dabei variieren sie gerne ihre Unterkünfte und bevorzugen Reviere mit möglichst vielen verschiedenen Wohnoptionen.

Die Wegbiegung

Es geht los und unsere kleine Gesellschaft begibt sich auf die erste Etappe. Unterwegs sind wir dazu angehalten, nach möglichen Fledermausquartieren Ausschau halten. Zwei der kleinsten Forscher entdecken am Stamm einer abgestorbenen Eiche eine Baumhöhle und weisen die Exkursionsleitung aufgeregt darauf hin. Ja, hier könnten Fledermäuse leben, es ist sogar sehr wahrscheinlich. An einer Wegbiegung machen wir Halt. Hier erläutern Marco Roßner und Sarah Bähr Aufbau und Funktion der verschiedenen Fledermauskästen, die hier an Baumstämmen befestigt wurden.
Jemand stellt die wichtige Frage nach dem Paarungs- und Fortpflanzungsverhalten der Fledermäuse. Tatsächlich ist der Auwald ein wichtiges Paarungsrevier für verschiedene Fledermausarten, die hier auf ihren saisonalen Wanderungen Zwischenstation machen. Fledermäuse wandern im Spätsommer bis zu 1500 km von Litauen nach Süddeutschland oder sogar bis nach Südeuropa, um dort ihre Winterruhe zu halten.
Im Spätsommer locken Fledermausmännchen die Weibchen mit speziellen Paarungsrufen in Hohlräume (z.B. Baumhöhlen) und blockieren den Ausgang. Auf diese Weise „fängt“ ein Männchen pro Nacht oft mehrere Weibchen und vollzieht die Paarung dann am darauffolgenden Tag, wenn die Weibchen schlafen. Der Samen kann im Körper der Weibchen monatelang gespeichert werden. Nach der Winterruhe und sobald es die klimatischen Umgebungsbedingungen und das Nahrungsangebot gestatten, sind die Weibchen dazu in der Lage sich selbst zu befruchten. Ein Jungforscher fragt, woher Fledermäuse „wüssten“, ob und wann das Außenklima ein Verlassen der Höhle gestattet. Denn oft seien doch die klimatischen Bedingungen in Hohlräumen, besonders in tiefliegenden Höhlen, stets gleich. Dies ist noch wenig erforscht, räumt Marco Roßner ein. Vermutlich können Fledermäuse auch geringste Klimaschwankungen, die es auch in Höhlensystemen gibt wahrnehmen. Denn auch das Höhlenwetter wird durch Faktoren des Außenklimas beeinflusst.
Die Aufzucht der jungen Fledermäuse, so weiß Sarah Bähr zu berichten, erfolgt in organisierten Wochenstuben. Dabei finden sich ausschließlich Fledermausweibchen und deren Nachwuchs (i.d.R. 1 Junges pro Weibchen) in größeren Gruppen zusammen. Während die Mütter in der Dämmerung wie gewohnt auf Nahrungssuche gehen, bleiben meist ein bzw. nur wenige Weibchen in der Höhle zurück und wachen über die winzigen, dabei aber riesenohrigen Jungfledermäuse. Bei drohender Gefahr, z.B. Taschenlampenlicht, rücken sie dicht zusammen und bilden instinktiv eine Art Knäuel.

Die Wiese

Wir laufen weiter und erreichen wenig später eine kleine Wiese. Unter einer alten Eiche bilden wir wieder einen Halbkreis um die Exkursionsleiter. Marco und Sarah erzählen nun etwas über das Jagdverhalten der Fledermäuse und demonstrieren die Funktionsweise eines mobilen Fledermausdetektors. Er moduliert Ultraschallsignale in für Menschen wahrnehmbare Frequenzen. Bereits ein Fingerschnippen oder sanftes Streifen einer Schuhsohle über Grashalme erzeugt Ultraschallgeräusche. Betimmte Fledermausarten sind in der Lage, auf Blättern herumkrabbelnde Insekten zu orten und erfolgreich zu jagen. Um sich bei der Jagd auf engstem Raum nicht gegenseitig zu behindern, modulieren Fledermäuse ihre Ultraschallsignale auf jeweils individuelle Frequenzen im Bereich von 15 bis 150 kHz. Auf diese Weise können Schallquellen und Echos eventueller Beutetiere auseinandergehalten werden. Die Amplituden der ausgestoßenen Ortungsimpulse variieren dabei nicht nur in ihrer Frequenz, sondern auch in der Art ihrer Abfolge, je nachdem ob ein Revier weiträumig „gescannt“ wird oder schon geortete Beutetiere im Nahbereich anvisiert werden. Sarah fügt hinzu, dass da wo es erfolgreiche Jagdmethoden gibt, sich natürlich auch wirksame Schutzmechanismen seitens der Beutetiere entwickeln. Viele nachtaktive Insektenarten sind beispielsweise zur Wahrnehmung und teilweise auch zur Erzeugung von Ultraschallsignalen fähig und reagieren auf Ortungslaute der Fledermäuse mit Zickzackflügen, Ausweichmanövern oder lassen sich einfach auf den Boden fallen.

Die Waldlichtung

Nicht weit von der Wiese entfernt gibt es ein sichelförmige Lichtung, umgeben von hohen Eichen, Buchen, Linden und diversen Nadelgehölzen. Als wir die Lichtung bei Einbruch der Dämmerung erreichen, staunen wir nicht schlecht über den sich uns bietenden Anblick. Das Halbrund der Lichtung wurde mit mindestens 5m hohen, sehr feinen Netzen abgespannt. In der Mitte der Lichtung steht ein PKW Kombi mit eingeschalteter Kofferraumbeleuchtung und ein Campingtisch mit darauf abgestellten Aluminiumkoffern, allerlei elektronischen Gerätschaften für die bioakkustische Erfassung von Ultraschallsignalen, Computertechnik für das Monitoring und die Analyse des Raumnutzungsverhaltens der Fledermäuse sowie Kästchen mit Armklammern in verschiedenen Größen für die Individualmarkierung eingefangener Tiere. Hier erwartet uns Frank Meisel und erläutert Schritt für Schritt die Feldausrüstung eines Fledermausforschers. Der kleine mobile Fledermausdetektor steht inzwischen auf dem Dach des PKW und gibt hin und wieder rythmisch-schnalzende Laute von sich. Und tatsächlich, hoch über unseren Köpfen und den Baumkronen flattern kleine Gestalten lautlos durchs Dämmerlicht. Marco bringt eine kleine Holzkiste herbei und entnimmt ihr eine winzige lebende Fledermaus, die mit gebrochenem Arm gefunden wurde und sich nun in Pflege befindet. Dann liegt sie auf Sarahs Hand und darf aus nächster Nähe betrachtet und auch fotografiert werden. Vielleicht doch etwas beunruhigt durch zu viele Smartphone-Blitzlichter hangelt sich die Fledermaus behende in Sarahs Jackenärmel und blieb darin verborgen. Ein würdiges Ende einer hochinteressanten Exkursion.

Leseempfehlung:
Großes Interesse zum GEO-Tag der Artenvielfalt

05.–15. Juni
Leipziger Umwelttage

Sonntag, 08. Juni, 14.00 Uhr
Führung durch die Entwicklungsgeschichte der Pflanzen
Botanischer Garten Leipzig

Dienstag, 10. Juni, 18.00 Uhr
Vortrag „Die Vogelforschung am Amur“
Naturkundemuseum Leipzig

Samstag, 14. Juni
GEO-Tag der Artenvielfalt
Auwaldstation Leipzig, Schloßweg 11
Siehe auch: Exkursionsbericht: Fledermäuse

Mittwoch, 18. Juni, ab 8.30 Uhr
Tag der Wissenschaft
Lipsius-Bau, Karl-Liebknecht-Str. 145, Hörsaal 318

Sonntag, 22. Juni, 16.00 Uhr
Exkursion Altscherbitzer Park und Papitzer Lachen „dem Ruf der Rotbauchunke lauschen“
Treffpunkt: Haltestelle Altscherbitz

Freitag, 27. Juni, 18.00–24.00 Uhr
Lange Nacht der Wissenschaften
Siehe auch: mon.ini.s Berichterstattung für das PGI ::: Vortrag über den Verlust der Nacht zur langen Nacht der Wissenschaften

Sonntag, 29. Juni, 15.00 Uhr
Geführter Rundgang auf dem Auwald-Erlebnispfad

extraterrestrisch_01[23.02.2014] Naturforschern des renommierten Instituts gelang ein aufsehenerregender Fund auf der Elbinsel Krautsand zwischen Hamburg und Cuxhaven. Am Strand, unweit der Niedrigwasserlinie, wurde der Kopf einer wohl ursprünglich ca. 10 cm messenden und noch unbekannten Lebensform entdeckt. Der Kopf wurde geborgen, verpackt und nach Leipzig verfrachtet, um dort intensiv und aufmerksam betrachtet zu werden.

Die Elbinsel, die bereits 1575 urkundlich erwähnt wurde, ist durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden. Ab 1620 entstanden die ersten richtigen Häuser auf Krautsand, die auf Erdhügel (Wurten) zum Schutz gegen die Sturmfluten der Elbe erbaut wurden. Erst 1976 wurde Krautsand eingedeicht. Typisch für Krautsand sind die Häuser auf Wurten, die Reetdachhäuser, die Obsthöfe, die Viehweiden, die kleinen Naturschutzgebiete, die Häfen und der schöne Sandstrand, der mit den anschließenden Wattflächen ca. 7 km lang ist. Zwischen Deich und Strand bieten Bäume und Weiden Unterschlupf vor Wind, Regen und Sonne. In der nahen Fahrrinne können große und kleine Schiffe beobachtet werden (bis 80.000 Schiffsbewegungen im Jahr). Hamburg ist nur ca. 65 km entfernt. (Quelle: www.krautsand.org)

Tag 8: Im Zwischendeck ist es zappenduster als Geräusche unbestimmbarer Herkunft meinem Tiefschlaf ein abruptes Ende bereiten. Etwas schleift über den trockenen Betonboden, es knistert und raschelt. Im benachbarten Maschinenraum dagegen ist es still. Wir scheinen gestoppt zu haben und rollen in leichter Dünung auf und ab. Die Eisentür zur Straße wird knarzend einen Spalt geöffnet und für einen kurzen Moment zeichnen sich diffuse Konturen im frühen Dämmerlicht ab. Jemand oder etwas huscht durch den Türspalt ins Freie. Noch bevor mein benommener Geist die grau invertierten Schemen zu interpretieren in der Lage ist, drifte ich zurück in ferne Traumlande.

Erwachen. Staubpartikel wabern schwerelos in Strahlen des durch Ritzen im Türrahmen dringenden Tageslichts. Mit morgenrauhen Kehlen fluchen wir uns aus den Schlafsäcken und geben lautstark die vordringlichsten Körperbefindlichkeitsparameter zum besten. Die am gestrigen Abend im Maschinenraum verteilte Pilgerwäsche ist getrocknet. Wir sammeln alles ein und verfügen uns mit Sack und Pack vor die Tür. Das ungewohnt trockene Wetter enttäuscht auf Anhieb. Bis auf uns sind keine Pilgermenschen zu erblicken. Die Herberge scheint verwaist. Es muss tatsächlich schon recht spät sein. In der Bar des Herbergsbetreibers gegenüber gibt es Kaffee und das obligatorische spanische Frühstückgebäck.

Gestiefelt und gespornt gehen wir die nächste Etappe an. Das etwa 28 km entfernte Pontevedra, übersetzt „Alte Brücke“, soll unser heutiges Tagesziel sein. Nach nur wenigen Schritten werden wir für das miserable Wetter entschädigt. Die Straße meandert nicht, nein sie führt in schnörkelloser Geradlinigkeit und gefühltem 45°-Winkel einen eukalyptusbewachsenen Hügel hinauf. Mag das Wetter uns Pilgern auch den Stinkefinger zeigen, allein die ausgefuchste Topologie lässt uns nicht im Stich. Nur widerwillig verrichten die Beinmuskeln ihren Dienst, es kneift, zieht und zwackt. Auf halber Anhöhe durchstreifen wir eine kleine Siedlung. Die Asphaltstraße unter unseren dicken Sohlen wurde von Einheimischen mit zahlreichen Kreidesymbolen und Schriften der eher ruchbaren Art verziert. Die Symbolik dient unverkennbar der Visualisierung geschlechterspezifischer Merkmale der menschlichen Anatomie. Gepaart, oder sagen wir besser in Verbindung mit den dazugehörigen Schriften schließen wir bei den primitiven Fresken auf detaillierte Darstellungen der lokal üblichen Hochzeits-, Fruchtbarkeits- und Fortpflanzungsrituale. Die Verzierungen enden vor der Gartenpforte eines großzügig bebauten Grundstücks. Menschen oder anderen Wesen begegnen wir in dieser Siedlung nicht.

Landschaft der Provinz Pontevedra

Landschaft der Provinz Pontevedra

Wir erreichen den Scheitel der Anhöhe und es eröffnet sich eine ergreifende Aussicht auf ein langgestrecktes Tal. Kleine Dörfer, Kohlfelder, Obstbaumhaine, Weinstöcke, lehmige Karrenwege und schmale Asphaltsträßchen prägen diese ururalte Kulturlandschaft soweit das Auge fliegt. In der Ferne verdichten sich die verstreuten Ansiedlungen zu einer Stadt. Nach einem steilen Abstieg und wenigen Kilometern Wegstrecke gelangen wir nach Redondela und laufen durch das historische Stadtzentrum mit seiner turbulenten Einkaufs- und Kneipenmeile. Der andere Pilgeronkel lenkt meine Aufmerksamkeit plötzlich auf ein Eckladengeschäft. Dort werden allem Anschein nach fabrikneue T-Shirts wohlfeil geboten. Während ich darüber nachsinne, was an einem solchen Geschäft so bemerkenswert sein soll, schließlich trage ich ein T-Shirt, und kein so übles wie ich anmerken möchte, verrichtet es doch seit vielen Jahren treu seinen Dienst, begebe ich mich in den Laden und drehe unschlüssig an den verchromten Kleider-Karussells. Wenigstens das Drehen der Kleiderständer sorgt für willkommene Abwechslung. Die oben auf dem Rund angebrachten leuchtend gelben, grünen und roten S, M und L-Schildchen ziehen wieder und wieder an mir vorbei. Die Preise rangieren zwischen 8 und 15 € und mir kommen ob dieser durchscheinenden Gewebe doch gewisse Zweifel an der Wertigkeit. Diese T-Shirts halten sicher keine 30 Jahre durch. Da wird mir auf einmal bewusst wie still es im Laden ist. Sis is väry stränge. Wimmelte es nicht gerade noch so vor Kundschaft? Auch die Verkäufer sind wie vom Erdboden verschluckt. Noch eine psychedelische Runde auf dem Kleiderkarussell, dann gehe ich erleichtert wieder hinaus.

An einem Viadukt halten wir kurz inne und vergewissern uns gegenseitig, dass es sich bei diesem beeindruckenden Bauwerk um ein Viadukt handelt. Ein Viadukt ist ein Viadukt ist ein Viadukt. Viadukt. Am Ortsausgang lassen wir die öffentliche Herberge links liegen. Aus den Fenstern hängen auch hier die obligatorischen Handtücher, wie Flaggen am Nationalfeiertag. Einige Pilger recken sich weit aus den Fenstern, winken und rufen nach uns. Es ist noch früh am Nachmittag und ein Einkehren kommt überhaupt nicht in Frage.

Ein Viadukt ist ein Viadukt ist ein Viadukt

Ein Viadukt ist ein Viadukt ist ein Viadukt

Unser Weg führt über den Rücken einer bewaldeten Hügelkette. Wo sich der Wald im Westen lichtet, schaut man auf die Meeresbucht Ria de Vigo. Der Fjord verjüngt sich zunehmend und seine gründigen schwarzen Wasser vermischen sich schließlich bei Ponte Sampaio mit denen des hier einmündenden Rio Verdugo. Wir überqueren den Fluss auf einer romanischen Steinbrücke und folgen weiter den Pilgermuschelzeichen durch die verwinkelten und mitunter recht steilen Gassen des Dörfchens. Beinahe alles hier wurde aus grauem Feldstein errichtet, befestigt oder gepflastert. Auch die schon auf anderen Wanderungen bestaunten Horreos gibt es hier. Doch offenbar keine Menschen oder dessen domestizierte Evolutionsgefährten, die sich üblicherweise in Menschennähe aufzuhalten pflegen. Nach einer weiteren Abzweigung nimmt das Gässchen einen geraden, ebenen Verlauf und ich erblicke überrascht und gleichsam hoch erfreut ein putziges schwarzes Hündchen. Es liegt dösig mitten auf der Pflastersttraße und hebt ein wenig sein Köpfchen. Es scheint mich nicht gesehen, dafür aber doch etwas ungeheuer interessantes gewittert zu haben. Der Abstand zwischen uns schmilzt auf wenige Meter, als es sich aufsetzt und zitternd mit hoch in den Himmel gereckten Nüstern und blinzelnden Äuglein in meine Richtung schnuppert. Wie vermag man die innere Geisteshaltung eines durch tagelange körperliche und seelische Entbehrungen gezeichneten Pilgers in Worte zu fassen und wer mag es ihm verdenken, sich an des kleinen Hündchens geballter Lebensfreude, die er hervorzukraulen gedenkt, nach Herzenslust zu laben. In euphorischer Grundstimmung nähere ich mich schnellen Schrittes mit Rückenwind. Da jault es winselnd auf und sucht wie ein geölter Blitz in entgegengesetzter Richtung zu entkommen. Ohne sich einmal nach mir umzusehen sprintet es durch die Gasse hinfort, schlägt Haken, rast einen steilen Hang hinauf und ward nie mehr gesehen. Mein Companion versucht sich zugleich an der gewagten These, es gebe eine kausale Beziehung zwischen dem seltenen Odeur meines schwammartigen Lieblings-T-Shirts und dem äußerst empfindlichen Geruchsorgan des gelittenen Vierbeiners. Soviel jedenfalls meine ich den zwischen mehreren Gelächtersalven atemlos hervorgebrachten Ausführungen entnehmen zu können.

Die schwarzen Wasser von Ponte Sampaio

Die schwarzen Wasser von Ponte Sampaio

Wenig später liegt eine weitere Anhöhe vor uns. Bevor es bergauf geht überqueren wir einen seichten klaren Bach auf einer rostbraunen Stahlträgerbrücke, die auf altertümlich wirkenden Steinfundamenten ruht. Der rötliche Sandsteingrund auf der anderen Seite weist an einigen Stellen tiefe und breite Furchen auf. Glaubt man dem am Wegesrand aufgepflockten Schild, stammen die alten Brückenpfeiler und Ochsenkarrenfurchen ebenfalls aus der Römerzeit. Schwungvoll und leichtfüßig, Bergziegen gleich, steigen wir bergan, überholen unterwegs eine Gruppe Schwedinnen und kurz darauf zwei Schweizer Wandersleute. Einer der beiden ist reich an Jahresringen und wir zollen seiner Laufleistung ein gehörig Maß Respekt. Mögen auch wir die Zeiten unbeschadet überdauern, um eines Tages ähnliche Großleistungen zu vollbringen.

Auf der Überholspur

Auf der Überholspur

Die verbliebenen mageren Kilometer nach Pontevedra legen wir auf asphaltierten Wegen oder Betonsträßchen zurück. Über O Pobo, O Casal do Rio, Lusquinos und O Marco gelangen wir zur öffentliche Herberge am südlichen Ortsrand der Stadt Pontevedra. Der Schnarchkomplex ist durchaus von anderem Kalliber als unser Kellerverlies der letzten Nacht. Allein der großzügig dimensionierte Busparkplatz vor dem Hauptgebäude lässt erahnen, dass man an diesem Ort keine Einsamkeit fürchten muss. Duch das gläserne Eingangsportal gehen wir in die Empfangshalle und direkt zur Rezeption. Während der Anmeldeprozedur bringen wir in Erfahrung, dass es sogar zwei funktionstüchtige Waschmaschinen gibt. Wir werden einem Schlafsaal mit etwa 8 Doppelstockbetten zugewiesen. Hier tummeln sich bereits die Schlagerpüppis, der Münchner, Jasmin und ein Grüppchen spanischer Hausfrauen. Die Schlagerpüppis tragen oder treffender, rollen gigantische Wäschebündel zur Tür hinaus und begraben darunter unsere letzte Hoffnung auf tiefengereinigte Unterbuxen oder gar geruchsneutrale T-Shirts. Beide Waschmaschinen werden bis an der Zeiten Ende belegt sein, oder so lange bis die mit Püppitextil vollgestopften Edelstahltrommeln ihre zermalmten, gepeinigten Lager sprengen, scheppernd durch Empfangshalle, über den Busparkplatz und durch Pontevedras historisches Zentrum rumpeln, in den Rio Lérez platschen um dort leise schmatzend im grauen Uferschlick zu versinken. Es bleibt also nur die Handwäsche an einem der braunmamorierten Steinbecken mit der zur Neige gehenden Tubenreiseseife. Da folgerichtig auch alle Trockner belegt sind, hänge ich mein gestreiftes Lieblings-T-Shirt auf eine Wäscheleine ins Freie. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die eingewirkten Reiseseifenährstoffe werden den Fortbestand der im T-Shirt evolutionierenden Mikrohochkulturen sichern helfen. Manchmal hängt das Überleben von einer belegten Waschmaschine ab.

Hungrig verlassen wir gegen 19 Uhr wir die Herberge um in Pontevedras Innenstadt etwas nahrhaftes aufzutreiben.. Nicht weit von uns steht ein Turi-Info-Hüttchen. Da es selten schadet sich zu informieren, und sei es nur um den kürzesten Weg ins nächstgelege Restaurant mit einigermaßen vernünftigen Preisen zu erfahren, verfügen wir uns hin und hinein. Im Inneren des Habitats ist es heiß und trocken, ein Atomheizlüfter läuft auf ca. 350 Prozent der mit Sicherheit und Ordnung eben noch zu vereinbarenden Nennleistung. Eine Kernschmelze scheint nicht ausgeschlossen. Mit der freundlichen Infokraft unternehmen wir sogleich eine ausschweifende virtuelle Zeigefingerundfahrt auf der vor ihr liegenden Stadtkarte. Schwungvoll gekritzelte Belagerungsringe aus blauer Kugelschreibertinte markieren die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die ebenso wenig Chancen zur Flucht zu haben scheinen wie wir. Die hilfsbereite Dame redet schnell und geizt keinesfalls mit historischen Fakten. Indes mindert der Atomspalter den Wassergehalt meiner Körperzellen um mindestens die Hälfte und glaube zu schrumpfen. Nachdem wir uns irgendwie losreißen können ist immerhin eines gewiss. In Pontevedras Zentrum geht es da entlang.

Nebulöses Pontevedra

Nebulöses Pontevedra

Irgendwo am Rande der riesigen Plaza Ferrería setzen wir uns mit knurrenden Mägen und einer dementsprechend wölfischen Gemütslage in den Freisitz eines Restaurants. Der Kellner entdeckt uns geraume Zeit später wohl eher durch einen (un)glücklichen Zufall und wir bestellen sogleich Pimentos de Padrón, Empenada, Mejillones, Percebes, Queixo con Membrillo, Polbo á Feira, Vieiras, Lacón und eine große Portion Neunaugen. Für das Hauptgericht und den Nachtisch würden wir uns später entscheiden. Der Kellner scheint zutiefst verwirrt und teilt mit, dass es vor 21 Uhr kein Abendessen geben würde, weder in diesem noch einem anderen Restaurant der Innenstadt. Wir bestellen Orangensaft und erbetteln eine kleine Brotbeilage. Anschließend laufen wir etwas unschlüssig umher und erspähen dabei ein hoch aufgehängtes Protestbanner mit der Aufschrift „Gegen den Bau eines innerstädtischen Krematoriums!“. Ergänzt werden sollte diese sehr nachvollziehbare Forderung mit „Abendessen für Pilger ab 19.00 Uhr!“. Wir treten den Rückweg an und stellen freudig überrascht fest, dass gleich gegenüber der Herberge zwei Bars geöffnet haben. Linkerhand werden allerlei ethanolhaltige Flüssigkeiten serviert und rechts dem Geruch nach eher fetthaltige Molekularverbindungen. Ein durstig anmutendes Pilgergrüppchen aus unserem Schlafsaal wechselt gerade von rechts nach links und Martin hofft wohl insgeheim, es mögen keine dänischen Wallküren unter ihnen sein.

Den Rest des Abends verlungern wir in der Herberge oder ihrem Rundherumbereich. Ich hocke stundenlang auf einer Bank vor dem Haupteingang und lausche hin und wieder den Berichten der sich hier aufhaltenden Reisenden. Gelegentlich stecke ich Münzen in den Getränkeautomaten im Foyer, im Tausch gegen eine der seltsam-leckeren Dosen Fruchtsaftkonzentrat. Dabei treffe ich überraschend oft den anderen Wanderkumpel, der augenscheinlich ebensogroßen Gefallen an den Saftdosen findet. Wir öffnen volle Dosen an den Leeren und die Zeit verfliegt. Da draußen im gelblichen Schein der Straßenlaternen gehen Fledermäuse auf ihre geräuschlose Jagd. Im Foyer versammeln sich indes einige Pilger zum späten Gottesdienst und wir ziehen uns in den Schlafsaal zurück. Nach und nach kehrt Ruhe ein. Der friedliche Gottesdienst endet und lautes Geplapper hallt durch Hallen, Flure und Türen. Bedrohlich knurrend springt eine der Schlagerpüppis aus dem Bett, reißt die Tür fast aus den Angeln und verschwindet mit zwei, drei langen Sätzen aufgebraucht und wetternd im Getümmel. Der Rest ist Schnarchen.

Wetterbericht: Ausgesprochen wenig bis gar kein Niederschlag, dicht bewölkt.
Pilgerbericht: Schwedinnen, Schweizer, Schlagerpüppis, der Münchner, Jasmin, spanische Hausfrauen, u.v.m.
Tagesstrecke: 28
Gesamtstrecke: 171 km

Tag 7: Nachlässig, wenn nicht gar fahrlässig wäre es, schilderte man nicht jedes noch so unbedeutende Faszettelchen einer durchlittenen Herbergsnacht. Das reiche Spektrum schlafbeeinflussender Faktoren, ob nun schlafmindernder, -verhindernder, -unterbrechender, oder -beendender Natur, wäre sicher einer umfassenderen Analyse nicht unwürdig. Dabei ist die bei Pilgern sehr gegensätzlich ausgeprägte Schlaf- oder Bettaufenthaltskultur nicht zu unterschätzen.

Als ein Beispiel der vergangenen Nacht mag die brasilianische Pilgermutti herangezogen werden, aus Gründen des Anstands natürlich nur im übertragenen Sinne, die sich nicht auf so stümperhaft-profane Weise ins Bett zu legen pflegt, wie wir es tun. Sie hat sich diesen mitternächtlichen Saal voll schlaflüsterner Pilger auserkoren, um mit der lieben Verwandtschaft zu chatten, welche zu komfortabler abendlicher Stunde brasilianischer Zeitrechnung am anderen Ende der Leitung gerade zu Hochform aufläuft. Pilgermuttis Smartphone taucht den Saal in unterseeisches blaugrünes Licht und übersetzt jedes der zahlreichen Emoticons in ein anderes akustisches Signal. Ich wähne mich dieses Mal in den Mannschaftsquartieren der Nautilus, 20.000 Meilen unter dem Meer, umgeben von rätselhaften, klingenden und singenden Maschinen verborgenen Zweckes und einer Horde schnarchender Matrosen.

Als wir am nächsten Morgen völlig zerschlagen in unseren Betten liegen, erwachen im Doppelstockbett neben uns die zwei Schnarcher der Sorte „Wir quälen euch im Duett“, ein älteres Pärchen, reiben sich die Äuglein und geben beim Strecken quiekende Laute der Erquicklichkeit von sich. Als ich mich fassungslos über die Bettreling nach unten beuge, erblicke ich den geräderten Mitpilger in selbiger Verfassung(slosigkeit). Glücklicherweise gelingt es uns irgendwie, die Energie des unterdrückten Gewaltexzesses in Aufstehen, Zähneputzen, Sachenpacken und Aufbruch zu kanalisieren.

Die historische Innenstadt queren wir nun ein weiteres Mal gen Norden in Richtung der Grenze und legen unterwegs noch eine Frühstückspause ein. Mein Wanderstab lehnt währenddessen an der Wand neben der Eingangstür zum Café und lässt sich später von mir vergessen. Nach nur einem gemeinsamen Wandertag gehen bzw. stehen wir getrennte Wege, aber immerhin half er mir über die Portela Grande.

Befestigungen von Valença

Befestigungen von Valença

Bald erreichen wir die hoch über dem Urstromtal gelegene, dem Fluss zugewandte Seite der befestigten Innenstadt. Umgeben von meterdicken Mauern, Türmchen, Zinnen und Scharten lassen wir unsere Blicke schweifen. Da ist eine der Architektur des Eiffelturms ähnelnde Eisenbahnbrücke über den Minho und die nicht minder befestigte, spanische Stadt Tui, die sich durch seltsame Fügung der Zeitverschiebung bereits eine Stunde in der Zukunft befindet. Durch das Nordtor verlassen wir endgültig Valenças Festungsanlage, übrigens ohne uns mit der für ihre unvergleichliche Qualität gerühmten lokalen Frotté-Ware eingedeckt zu haben, und laufen hangabwärts in Richtung der Grenzbrücke. Unterwegs erkundigt sich Martin bei einem bergradelndem Spanier nach einem Briefkasten, denn es muss baldigst ein Postkartenbericht an einige geschätzte Hobbitsens versendet werden.

Internationale Brücke über den Minho

Internationale Brücke über den Minho

Die Brücke erweist sich als eine zweigeschossige Konstruktion mit Fußgängerstegen und Autofahrbahn, überdacht von einer darüber errichteten gleisführenden Eisenträgerkonstruktion. Bei leichtem Nieselregen überbrücken wir Fluss, Zeit- und Landesgrenze und müssen auf der anderen Seite kurz Witterung aufnehmen, um den Weg wiederzufinden. Ähnlich wie in Valença windet sich der Caminho durch enge steinerne Gassen mit teilweise erheblichem Auf und Ab. Plötzlich und unerwartet stehen wir vor der Kathedrale der ehem. Bischofsstadt und lassen ein „Ja Halloooo!“ der schwäbischen Hausfrauengruppe über uns ergehen. Wir legen einen Schritt zu und überholen dabei diverse andere Pilgergrüppchen.

Kathedrale von Tui

Kathedrale von Tui

Als wir endlich alle abgehängt wähnen, befinden wir uns nicht mehr auf dem Caminho, denn wir haben uns verlaufen. Dies beweist vorzüglich, dass sich echter Pioniergeist nicht durch ausgelatschte Caminen beeindrucken lässt und in kleinen Unachtsamkeiten befreiende Aus- bzw. Neuwege findet. Als wir uns bei einheimischen Passanten nach einer Alternativroute zurück auf den Camino erkunden, empfiehlt man uns ausnahmslos die Rückkehr zur letzten Wegkreuzung, um dann richtig abzubiegen. Nicht ohne inneren Widerstand folgen wir dem Rat, hauptsächlich zugunsten unserer strapazierten Fußorgane. Die Aussicht auf neuerliche Begegnung mit schwäbischen Hausfrauengruppen lässt mich kurz ausfallend werden. Das euphorisierende Odeur meines T-Shirts verhindert jedoch schlimmere Ausbrüche und bald schon wandern wir den Caminho wieder kichernd unserem Tagesziel entgegen.

Wir verlassen Tui. An der Quelle Santo Domingo widerstehe ich nur schwer der Versuchung mich hineinzuwerfen, um die Mutationsrate meines T-Shirts anzukurbeln. Vorbei an Klöstern, Kirchen und Kapellen, deren Namen nichts zur Sache beitragen, wandern wir Kilometer um Kilometer auf Fußwegen entlang wenig befahrener Landstraßen durch Wald, unter- oder überqueren die A55 oder setzen auf mittelalterlichen Brücken über Fließendes hinweg. Aufzuführen wären hier die Ponte das Febres, hier starb der arme Wanderer San Telmo im April 1251, oder die uralte Steinbrücke von Orbenlle fragwürdiger Stabilität, deren untergründiges Gurgeln selbst den Tapfersten zu grausen vermag.

Brücke von Orbenlle

Brücke von Orbenlle

Hinter Orbenlle erstreckt sich das weite Industriegebiet von O Porriño, dessen Anmut in Liedern und Gedichten gerühmt und für alle Zeiten überliefert wurde. Es gibt auf dem Caminho nichts auch nur annähernd Vergleichbares. Wir fühlten uns bestenfalls an eine lange zurückliegende Wanderung durch Burgos auf dem Camino Francés erinnert. Auch damals mussten wir eine Bar aufsuchen, um die aus 10.000 Schritten durch glanzvolle Einöde resultierende Euphorie etwas zu bremsen … um nicht überzuschnappen. An den Namen der hiesigen Bar habe ich weder Aufzeichnungen noch Erinnerung, lediglich der Junge hinter der Bar hinterließ einen bleibenden Eindruck. Er konnte sich nur einen Gegenstand einer Sammelbestellung gleichzeitig merken, so das Wort „gleichzeitig“ hier überhaupt Anwendung finden darf. Hatte man den ersten Café bestellt und ging dann zu Nummer 2 über, hatte er den zuerst bestellten Café vergessen. So zog sich die Bestellung hin und wir verzichteten auf ein größeres Gelage, um die Weiterreise nicht um Tage hinauszögern zu müssen.

In O Porriño beschließen wir bis Mos weiterzulaufen. Auf einer Parkbank werden die Füße ausgepackt und mit magic-hirschtalg-potion für weitere 6 km konditioniert. Solch ein Spaziergang erfordert eine äußerst sorgfältige Dosierung, um nicht kilometerweit über unser heutiges Tagesziel Mos hinauszuschießen. Der Caminho und die A 55 verlaufen im Norden O Porriños endlich nicht mehr parallel und bald geht es wieder auf kleinen Sträßchen und Wegen über Land und durch kleinere Vororte.

Füße vor der Hirschtalgsalbung

Füße vor der Hirschtalgsalbung

Bald schon erreichen wir Mos und finden die kleine Herberge voll belegt vor. Pilger gaffen aus den Fenster und hängen nasse Handtücher über die Fensterbrüstungen. Der Hospitalero, gleichzeitig Betreiber einer kleinen Bar gegenüber der Herberge, schließt uns den ebenerdigen Keller auf. Tatsächlich erblicken wir dort im flackernden Neonlicht der Deckenbeleuchtung fünf blaue Matten auf dem grauen Betonboden. Der große Raum ist trocken und ruhig, also fackeln wir nicht lange und richten uns hier für die Nacht ein. Anschließend schlappen wir durch den Ort und warten auf den Koch des Dorf-Restaurants, der erst gegen Abend eintreffen soll. Bis dahin halten wir uns mit Knabbersachen und Bier mehr oder weniger hin. Das Warten lohnt sich, denn irgendwann gibt’s schmackhaftes Abendessen.

Freizeitfuß

Schlappen durch Mos

Zurück im Schlafkeller zeigt sich, dass noch zwei weitere Matten belegt sind. Die Neuankömmlinge sitzen mit all den anderen Pilgern drüben in der Bar und bestellen eine Flasche Wein nach der anderen. Immer lauter und trubeliger wird es, als ich mich kurz nach Draußen begebe um ein Pfeifchen zu rauchen, winken einige herüber, wollen dass wir uns anschließen. Mir steht der Sinn eher nach Löcher in die Luft starren als mich zu betrinken und ich winke ab.

Eine der Neuankömmlinge entpuppt sich den nächtens als Schnarcherin der Kategorie „Tod durch Ersticken“ und wird dabei sonor von der Heizungsanlage begleitet, deren metallene Eingeweide einen kleinen Nebenraum fast komplett ausfüllen. So oder so ähnlich muss es in der dritten Klasse der Titanic zugegangen sein und ich frage mich, warum Herbergsnächte so oft maritime Assoziationen wecken. In den akustischen Interferenzen eines vibrierenden Gaumensegels und eines dröhnend-stampfenden Retroaggregats suche ich vergeblich nach Symmetrie als Martin der Finsternis recht Bedrohliches anvertraut. Es sind schwer verständliche Fragmente, aber es hört sich an wie „… Matte an allen vier Enden packen … vor die Tür schleifen …“. Der letzte Gedanke des Tages.

Wetterbericht: Ein verhältnismäßig trockener Tag ohne die liebgewonnenen Erfrischungen.
Pilgerbericht: Schnarchende Italienerin u.v.a.
Tagesstrecke: 25,7
Gesamtstrecke: 143 km

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Tag 6: Es ist 6 Uhr 30 min. Das Deckenlicht wird angeknipst. Seit ungefähr einer Stunde rumoren Frühpilger im Halbdunkel umher und sehen sich nun erst recht legitimiert, so richtig auf die Pauke zu hauen. Martin brummelt ein paar undeutliche, aber ganz klar kritische Laute, dann vollzieht er eine 180°-Luftrolle um die Vertikalachse, dass es nur so knarzt. Ein echtes Kunststück, wenn man in einem Schlafsack steckt.

Ein eigentlich tadelloser Morgen, würde man den bislang ausbleibenden Regen nicht in unsere Glücksquantifizierung einbeziehen. In weiser Voraussicht habe ich gestern Abend einen erklecklichen Vorrat halb-feuchter, müffender Wäsche im Trockenraum konserviert, die Qualität des TROCKENraums durchaus korrekt einschätzend. Auch um neue Blasen werde ich mich nicht mehr sorgen müssen, denn die offenbar zellulosehaltigen Sohlen meiner Wanderschuhe sind irreversibel aufgequollen. Die durch hunderttausend Schritte liebevoll geformten Ebenbildprofile meiner Fußsohlen sind nicht mehr. Sicher waren Elbow einst pilgern als sie dichteten: „the way the day begins decides the shape of everything“.

zeitzeit

Spät finden wir zurück auf den Caminho Portugues und lassen sogar das benachbarte Café-Domizil rechts liegen. Schließlich sind wir keine Leichtpilger. Ponte de Lima verliert zunehmend an Besiedelungsdichte und schon sind wir wieder auf ländlichen Wegen unterwegs. Ein „nicht entschärfter“ Hohlweg durch Weinlaubvegetation vertreibt die letzten Spuren morgendlicher Benommenheit. Unterbewusst haben wir uns wohl für die Alternative zur Rad- und Schlechtwetterwegvariante entschieden. Als die ersten schweren Tropfen in die uns umgebenden Wasserlachen platschen begrüßen wir das schöne Wetter mit ungebändigten Jauchzern der Freude. Endlich, der erhoffte Starkregen setzt ein. Martin sammelt das herabströmende Wasser in seiner Rucksackregenhülle, um den Nasse-Unterbuxen-Effekt bestmöglich zu intensivieren.

Regenspiegel

Nach etwa 8 km gelangen wir Über die kleinen Ortschaften Arcozelo und Devesa nach Codecal wo wir eine kleine Rast einlegen. Es gibt hier einen kleinen Laden und wir erstehen Bocadillos und Orangensaft. Vor dem Laden sitzen wir in Plastikstühlen und lauschen dem Geplapper einer ebenfalls rastenden Pilgergruppe. Es hat aufgehört zu regnen … wie unpassend. Glücklicherweise passieren wir 2 km weiter den Brunnen Fonte das Três Bicas und ich kann mein stinkendes, dabei aber beinahe getrocknetes T-Shirt wieder einweichen. Martin versucht Herr eines Lachkrampfes zu werden, ohne Erfolg. Möglicherweise wirken die sich kontinuierlich bildenden organischen Verbindungen meines desintegrierenden T-Shirts toxisch.

Der Weg führt weiter durch Eukalyptuswald und erklimmt nun eine beachtliche Anhöhe. An einigen Stellen scheint sich der Weg in einen kleinen Gebirgsbach zu verwandeln, was meiner Fußausrüstung nichts mehr anhaben kann. Auf einmal versperrt uns ein umgeknickter Eukalyptusbaum den Weg und ich beschließe, diesen Baum fortan als Wanderstab zu nutzen. Mithilfe Martins McGyver-Messers gelingt es in wenigen Minuten, den Baum auf ein handliches Maß zurechtzustutzen. Wir setzen die Wanderung fort und ich schwinge mich neu bestabt über Fels und Pfütz.

Cruz

Wir erreichen endlich die etwa 400m hohe Hügelkuppe „Portela Grande“ und passieren eine mit allerlei Devotionalien geschmückte Geröllhalde, die einem mit Wimpeln, Stofffetzen, Fotos, Kettchen und Steinen verzierten Betonkreuz rätselhaften Angedenkens als Fundament dient. Auf einer Kupferplakette lesen wir: „Remember Michelle Kleist. She loved the Pilgrim Walk and hoped to complete many more before being tragically killed in a plane crash at Moree, Australia on 30 March 2011. Greatly loved and greatly missed.“ Betroffen halten wir inne und lauschen den Stimmen und Stimmchen des Waldregens. Erst spätere Recherchen ergeben, dass es sich bei dem Kreuz um das Cruz dos Franceses handelt. Hier gerieten Napoleons Truppen während der Besatzungszeit einst in einen Hinterhalt. Wir dagegen hatten nochmal Glück und konnten unseren Weg unbehelligt fortsetzen.

Nach ein paar hundert Metern erreicht der Weg eine große Waldeslichtung und folgt dem steil abfallenden Hügelrücken in ein wolkenverhangenes Tal. Wir steigen ab und finden zu unserer großen Überraschung eine Einkehrmöglichkeit gleich am Eingang eines kleinen Dörfchens. Der teilweise überdachte Hof eines üppigen bäuerlichen Anwesens wurde mit Stühlen und Tischen möbliert, die Einfahrt mit einer Imbissbude ausgestattet. Wie üblich bei solch herrlichem Wetter werden nasse Sachen abgelegt und zum trocknen aufgehängt. Ich frage den stolzen Besitzer des Anwesens nach der Toilette und erhalte sogar den Haustürschlüssel. Ich solle einfach hineingehen, die Toilette wäre dann linkerhand. Ich gehe ins Haus und staune über das geräumige Eingangsportal und die dahinterliegend Halle mit Freitreppe. Die Toilette ist fürstlich ausgestattet und dient dem kurzen Auftritt eines nassen Klumpatschs als illustre Bühne. Flokati, Plüsch und Badeutensilien zurücklassend begebe ich mich wieder in den Hof, lobe den Besitzer für das eindrucksvolle Haus und bestelle Frühstück. Er nimmt die Bestellung entgegen und fragt wörtlich „Die Häuser in Galicien sind größer als in Deutschland, stimmts?“. Ein Schalk er sei oder auch nicht, wir bejahen nachdrücklichlichst. Daraufhin schlendert er grinsend und vielleicht in seiner Annahme bestätigt zurück zur Imbissbude.

Abstieg

Auf auf schmalen Pfaden, Sträßchen und Hohlwegen wandern wir über Cabanas, Águalonga und S. Roque bis nach Rubiaes und es liegen etwa 17 km hinter uns. Als wir an der öffentlichen Herberge vorbeikommen, handele ich einen kurzen Zwischenhalt aus. Tief beeindruckt von der jüngst beschriebenen Flokati-Toilette blieben leider auch gewichtige Dinge unerledigt und schnelles Handeln ist nun erforderlich. Die Tür der Herberge ist unabgeschlossen und schnell sind die vor Sauberkeit blitzenden Sanitäranlagen lokalisiert. Dennoch seltsam, diese gut eingerichtete und nicht gerade kleine Herberge völlig verlassen vorzufinden. Auf dem Weg zum Ausgang hallen meine Schritte auf schier unheimliche Weise durch die verwaisten Gänge und ich beeile mich, ins Frei zu gelangen.

Nach weiteren 16 Kilometern erreichen wir unser Tagesziel Valença. Wir unterqueren eine Eisenbahnbrücke, laufen über einen großen brachliegenden Platz und bewältigen einen nicht unerklecklichen Anstieg durch eine Plattenbausiedlung. Die Herberge liegt inmitten eines zumindest im Augenblick wenigbefahrenen Kreisverkehrs. Die Ausstattung wirkt ganz annehmbar und so lassen wir uns nach der üblichen Registrierung von einer Hospitalera durch das Haus und in den Schlafsaal führen. Rasende Püppi ist wie immer schon da, ebenso die Schlagerschwestern und einige uns noch unbekannte Pilger. Wir hängen unsere nasse Sachen zum trocknen auf, natürlich nur zum Schein, gehen duschen und hängen knüllig in unseren Doppelstockbetten ab.

Da sich wenig später Herr Hunger meldet hilft alles nichts, wir müssen Nahrung beschaffen. Martin ist mit der lokalen Geographie aufgrund eines früheren Aufenthalts mit einer Gruppe Hobbitsens bestens vertraut und weist sicher den Weg in die historische Innenstadt. Umgeben von hohen Festungsmauern ist diese natürlich am höchsten Punkt der Stadt verortet. Hier gibt es nicht wenige Restaurants, doch keines will mir recht zusagen. Ein äußerst beredsamer Kellner verliest uns 10 Minuten lang die Speisekarte seines Restaurant und mir wird schlagartig mein derzeitiger Erschöpfungszustand bewusst. Wir flüchten, können den Kellner mit knapper Not abschütteln und landen schließlich in der Veteranenkneipe einer portugisischen Falllschirmjägereinheit. Dort bestellen wir erstmal Fisch, Wein und Schnaps. Die holzgetäfelten Wände des Gastraums sind flächendeckend mit allerlei Fähnchen, Wimpeln, Orden, Trophäen und gerahmten Fotographien geschmückt. Auf letzteren sind diverse Flugzeuge, Generäle und portugisische Fallschirmjäger im Manöver abgelichtet. An der Bar tuscheln ein paar ältere Herren mit Baretten auf den Köpfen, schwelgen sicher in Erinnerungen an das ein oder andere glorreiche Manöver. Am Nachbartisch sitzen beleibte Damen und essen Kuchen.

Tunnelgeist

Wir zahlen und begeben uns auf den Heimweg. Die nun leeren Gassen, alten Gemäuer und Pflastersträßchen sind zu dieser nächtlichen Stunde in gelblich-trübes Licht getaucht. Hier und da lungern wir noch etwas herum, erhaschen ein paar Schnappschüsse umherirrender Tunnelgeister, bevor wir uns in die trügerische Stille des Schlafsaals zurückziehen.

Ampel

 

Wetterbericht: Bis zum Nachmittag erfreulich regnerisch und stellenweise windig, gen Abend hin dagegen leider etwas zu trocken.
Pilgerbericht: wenige bekannte und neue Gesichter in Valença
Tagesstrecke: 33 km
Gesamtstrecke: 118,3 km

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