Tag 2: Gegen 5 noch vor dem Weckerklingeln erwacht; Katzenwäsche, Rucksack packen, jeder Handgriff sitzt; 6:30 Uhr Frühstück und dann gegen 7 mit dem Shuttle wieder zum Terminal 1 gefahren; Punkt 7:15 großes Hallo mit Martin am Lufthansa-Schalter; Check-In, ein kurzer Stand-Kaffee und rein ins Flugzeug; Es folgt ein angenehmer Flug aber durch einen leichten Schnupfen misslingt meinem linken Ohr während des Landeanflugs der Druckausgleich mit der Folge einer leichten Ohnmacht; Nach der Landung ist dieses Ohr taub und Martins an mich gerichtete Worte durchdringen kaum den unsichtbaren Schleier meiner neu erworbenen Fähigkeit weniger zu hören;

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Wir verlassen das moderne Flughafengebäude Portos, orientieren uns am Stand der Sonne und nehmen Witterung auf, denn vor allem müssen wir in Richtung Atlantik laufen; Die Luft schmeckt aber gar nicht salzig und die Sonne verbirg sich hinter einem Wolkenschleier, also richten wir uns nach Martins ausgedruckter Google Maps-Karte und einem Mini-Kompass; Ich verliere meinen Strohhut, aber ein Taxifahrer folgt uns mit dem Hut, sehr anständig!; Entlang einer viel befahrenen, ich würde fast sagen einer sehr viel befahrenen Landstraße ohne Fußweg hangeln wir uns durch ein Gewerbegebiet und biegen dann rechts in einen kleinen Vorort Portos ab; der Himmel ist nach wie vor bedeckt, aber nun liegt doch ein leicht salziger, algiger Geruch in der Luft; kurze Rast vor einer blauweiß gekachelten Kirche und dann erreichen wir ein paar Minuten später die felsige, dunstige Küste auf einer neuwertigen, holzbeplankten, hohen Steinpromenade; zu den Klängen der volltönig tosenden Brandung (zumindest für 3 der anwesenden Ohren) sitzen wir uns auf der Promenade und lassen die Umgebung auf uns wirken; Martin wird plötzlich unruhig und verlangt nach Hirschtalg den er nach Herausgabe ohne Verzögerung auf seine Füße, ich zitiere: „appliziert“ (das ist bildungssprachlich für „auftragen“);

Wir befinden uns nun offiziell auf dem Caminho Portugues nach Santiago de Compostella und laufen gen Norden, den Atlantik immer zu unserer Linken und mit dem Ziel, den kleinen Ort Lavra zu erreichen, dort soll es einen Campingplatz mit Hütten geben; Mittagsrast in einer Strandbar, es gibt hier eine Art Fischpfanne mit Salat, dazu Bier der Marke „Super Bock“ und wir freuen uns über diesen überaus passenden Namen; Die Fischpfanne ist derartig fettig, das wir Schnaps bestellen müssen, der uns in Cognac-Schwenkern serviert wird, die man in doppelter Hinsicht als halbvoll erachten darf.

Fabrik

Meeresrauschen und Landschaft nehmen nun einen sanfteren Charakter an und wirken leicht verschwommen, aber wir setzen unseren Weg unbeirrt fort; es ist früher Nachmittag und uns ist alles egal; mit toxischen Alkoholdämpfen gefüllte Fettblasen rülpsend, passieren wir einen Obelisken, den wir nicht als das Wahrzeichen würdigen, das er vermutlich ist; vielmehr werden unsere Blicke immer wieder magisch von einer riesigen Chemiefabrik angezogen, die weiter im Süden direkt an der Küste errichtet wurde und deren Schlote bis in die tief hängenden Küstenwolken reichen;

Baum

Irgendwann, so gegen 5, erreichen wir doch noch den Parque de Campismo Angeiras in Lavra, mieten einen Bungalow und ich wasche gleich ein paar Sachen, die bei diesem feuchten Küstenklima nicht trocknen werden; wir entdecken ein Schwimmbad auf dem Gelände, ziehen ein paar Bahnen in der Abendsonne und beschließen den Tag bei einem Pfeifchen vor dem Bungalow; dann fällt jeder Wanderer in sein eigenes Koma.

Wetterbericht: Bedeckt bei lauwarmen Temperaturen, einmal kurz leichter Nieselregen, aber vielleicht war es auch nur Gischt.
Pilgerbericht: Eine kleine Gruppe Wanderer am Obelisken gesichtet aber wieder aus den Augen verloren.
Tagesstrecke: 12 km
Gesamtstrecke: 12 km

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2 Thoughts on “Caminho Portugues von Porto nach Lavra

  1. peregrino Martinhão on 17. Januar 2014 at 16:25 said:

    Welch hervorragender Bericht, den ich mit großer Ungedult erwartet habe! Denn wie gern erinnere ich mich an die einfachen Freuden, wie das Laufen entlang von Hauptverkehrsadern über Müllberge oder das fettgetränkte Rülpsen in alkoholisiertem Zustand. Alles besser als Büro!
    Und wenn eine Anregung an dieser Stelle erlaubt sei: wie steht der werte Autor zur Erweiterung seines Artikels um wertvolle Angaben wie Wetter und Wegeslänge? Ahoc!

  2. mobbit on 20. Januar 2014 at 18:40 said:

    Ich möchte mich meinem Vorredner anschließen, und als Stammleser darauf hinweisen dass ich sehn- und vor allem süchtigst den nächsten Tagesbericht erwarte!

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